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Tansania erfahren

Nationalparks und Savannen, beschauliche Bergdörfer, quirlige Städte und eine Küste mit einsamen Sandstränden – Tansania ist vielfältig und bunt. Und lässt sich auch noch sicher mit dem Auto erkunden. Spannende Entdeckungen und einprägsame Begegnungen sind garantiert.

Tansania mit dem Auto?

Ehrlich? Ich? Und auch noch links fahren? Wer mich kennt, weiß, wie ungern ich Auto fahre. Aber ich lass es auf mich zukommen. Meistens gibt es in Reisegruppen Menschen, die wahnsinnig gerne mit dem Pkw herumkurven, egal wie viele Stunden am Tag. Darauf baue ich. Der Reiseveranstalter (in dem Fall Akwaba Afrika) verspricht jedenfalls, dass man mit einer „SelfdrivingTour“ viel mehr über ein Land erfährt, näher mit den Menschen in Kontakt tritt und die spektakuläre Landschaft und kulturellen Besonderheiten anders erlebt. Die geplante Tour soll außerdem zu Orten und Nationalparks, fern der großen Touristenansammlungen im Norden des Landes, führen. Da übertreffen Neugierde und Reiselust die Angst vorm Autofahren bei Weitem.

Einfach nur Pole Pole!

Die Übergabe der Autos in Moshi mit Einführung geht schnell, zwei Fahrer melden sich ohne zu murren. Wir fahren mit zwei robusten TATA Allrad-Pickups, die Straßen, teils gut ausgebaut, teils holprig (Hilfsausdruck!), verlangen danach. „Pole pole“, also langsam und gemächlich, sollen wir fahren, weist uns Living Temba (hilfsbereit, humorvoll und engagiert!), der auch als Guide oder Fahrer zu buchen ist, ein. Wir übernachten in Moshi, in einem netten Hotel mit Garten, Pool und Outdoor-Restaurant und stoßen mit dem ersten Kilimanjaro Beer (das bei Weitem nicht das letzte sein wird) auf die Reise an. Tansania, wir freuen uns auf dich!

Radeln am Fuße des Kilimanjaro

Der Arusha Nationalpark (NP) ist einer von elf im Land, im Nordosten Tansanias, an der Grenze zu Kenia, zwischen Mount Meru und Kilimanjaro gelegen. Der Weg in den Park weist schon darauf hin, was uns in den nächsten Tagen erwartet: grüne, abwechslungsreiche Naturlandschaften, dichte Wälder, Sümpfe, Seen, Hügel und Berge und schon nach den ersten Kilometern zahlreiche Vögel, Buschböcke, Warzenschweine etc.

Wir machen heute aber keine normale Safari, sondern eine Radtour: Mit den Mountainbikes von Ahsante Tours fahren wir ein paar Kilometer bis zu einem der Momella Seen, leicht bergauf und –ab, oft durch Wald, so wird es nicht zu heiß. Zebras, Giraffen, Buschund Wasserböcke sind zu sehen, einzeln oder in kleinen Herden, manchmal hat man den Eindruck, die Tiere beobachten uns von der Anhöhe aus. Am See bauen wir eine höchst willkommene Picknickpause ein – mit Blick auf mehrere Nilpferde, die genüsslich im Wasser dümpeln. Menschen sind – neben uns nur wenige hier. Neben dem Ranger – mit Gewehr zu unserer Sicherheit ausgerüstet begleiten uns die Bikeguides Hillary (23) und Hanson (25). Sie sind nicht nur begeisterte Radfahrer, sondern auch Bergsteiger, wie sie erzählen. Hillary war schon zweimal am Kilimanjaro, die nächste Tour will er mit dem Bike machen. „Up is a challenge, down is a piece of cake“, lacht er.

Giraffen im Regenbogen

Zuerst Büffel! Beim Besuch der Hatari Lodge im Arusha Nationalpark, bekannt durch den HollywoodFilm „Hatari“ und einstiger Wohnsitz des deutschen Schauspielers Hardy Krüger, erblicken wir von der Terrasse aus eine große Büffelherde im üppigen Grün – bis heftiger Regen einsetzt, der alles zum Dampfen bringt und noch mehr Tiere aus ihrer Deckung lockt.

 

Auf der Weiterfahrt taucht plötzlich eine große Herde Giraffen mit vielen Jungtieren vor uns auf, die hier grasen, rangeln oder nur schauen. Mit einem Regenbogen und dem Mount Meru im Hintergrund ein traumhafter Anblick.

 

Die Nacht verbringen wir in der Kaliwa Lodge Kilimanjaro in Moshi. Das gemütliche Hotel im Bauhausstil hat eine Besonderheit: eine Aussichtsplattform über einer Schlucht mit dem perfekten Blick auf die Bergregenwälder und den Kilimanjaro.

Wie viel kostet eine Ziege?

Früh geht es wieder los. Je früher, umso besser, heißt es, da man nie weiß, was einem am Weg begegnet. Auf der (langen) Fahrt von Moshi zum Mkomazi NP bleiben wir z. B. in Njiapanda stehen. Es ist Dienstag, also Ziegenmarkt. Ob lebende Ziegen, frisches Ziegenfleisch, Speisen daraus mit Yams und Kochbananen oder Seile für Ziegen – all das gibt es hier. Eine gut genährte Ziege kostet immerhin 45 Dollar. „In Mochi ist das viel teurer“, erklärt Temba. Er verhandelt und kauft für seinen Bruder eine Ziege für eine Tauffeier. Er wählt ein braunschwarz geflecktes Tier aus. Warum ausgerechnet dieses? „Ich hab sie mir angesehen, sie hat schon was dran. Aber man kann sie noch etwas füttern, damit sie noch fetter wird. Und mehr hergibt bei einem Familienessen.“ Menschen verschiedener Stämme aus der Gegend tummeln sich am Markt: Maasai, Pare, Chaga. Die Zicklein an ihren Stricken angebunden, rotten sich zusammen und schreien. Ob sie wohl ihr Schicksal ahnen?

Flamboyante Aussichten

Auch wenn der Weg lang ist, die Autofahrt wird nicht langweilig: kleine Dörfer und Städte, Märkte oder einzelne Stände direkt neben der Straße, an denen alles verkauft wird, was zum täglichen Leben gebraucht wird. Leute, die am Feld oder rund ums Haus arbeiten, bauen, reparieren, streichen. Kinder am Weg in die Schule, Menschen, die auf den Bus oder Mopedtaxis, die auf Passagiere warten. Ziegen, Schafe oder Kuhherden, Farmen und Ziegelhäuser mit Wellblechdächern, Holzhütten, Ställe, Zäune rundherum. Besonders prächtig wirken Straßen, an deren Rändern „Flamboyants“ oder andere Bäume in verschiedenen Farben blühen.

Wilde Landschaft, wilde Elefanten

Der Mkomazi NP ist erst seit 2008 offizieller NP und grenzt an den kenianischen NP TsavoWest, mit dem er sich auch viele Tierherden teilt. Der Weg ist das Ziel: Das Maore Camp befindet sich weit drinnen im Park, aber auf der Fahrt mit Guide Rashid und Ranger Raymond in dem großen Safarijeep hat man genug Zeit, die ergreifende Landschaft aus Bergen, Savanne, Gebüsch und Bäumen, Erde in verschiedenen Farben, mal rot, mal beige, mal dunkelbraun, zu erfassen. Da der NP noch relativ neu ist, sind die Tiere recht scheu. Aber wir haben Glück: Nicht nur vereinzelte Dikdiks (Zwergantilopen), Warzenschweine und Antilopen kreuzen unseren Weg, plötzlich auch eine große Herde Elefanten mit vielen Jungtieren. Sie sind nicht sonderlich erfreut, uns zu sehen, was sie mit Trompeten und Scharren zeigen. Ehrfürchtig und mit dem gebotenen Respektabstand warten wir, schauen und machen kaum einen Muckser (außer Fotos natürlich).

Ein imposantes Farbenspiel zeigt der Himmel mit einigen fetten Regenwolken in der Ferne, kombiniert mit Sonnenuntergang. Endlich im Zelt-Camp angekommen genießen wir ein hervorragendes Dinner, Bier und Wein, Lagerfeuer und Sternenhimmel ohne Handynetz. Noch Fragen?

Mit einem Fuß in Kenia

Früh raus aus den Betten im Zelt heißt es auch im sanften Morgenlicht der Savanne. Nach dem Frühstück starten wir zur Walking Safari. Raymond ist Maasai und kommt aus einem Dorf in der Nähe von Moshi. Seit neun Jahren arbeitet er für den NP. „Es gibt viele Tiere im Park, auch die Big Five“, erklärt er. Bei der Walking Safari sind aber eher kleine Tiere zu sehen. „Elefanten und Büffel können hier sehr aggressiv sein. Sie fürchten sich, da hier früher Jagdgebiet war. Daher ruhig verhalten und dem Ranger folgen“, empfiehlt er. Wir marschieren an der (grünen) Grenze zu Kenia entlang, spaßeshalber überschreiten wir sie mehrmals. Genauso wie die Tiere, die hier zwischen den zwei Ländern wandern. Bekannt ist der NP auch für Wildhunde (eines der letzten Schutzgebiete) und für Schwarze Rhinos.

Mein großer Moment

Es ist der Tag gekommen, und ich ergreife die Gelegenheit, mich selbst ans Steuer zu setzen. Meine Mitfahrerinnen und Mitfahrer haben (unerklärlicherweise) vollstes Vertrauen, Temba ist ein geduldiger und aufmerksamer Beifahrer. Links fahren und vor allem links schalten ist neu für mich,aber nach einiger Zeit auf der Straße hab ich mich fast daran gewöhnt. Auf den Überlandstraßen ist es keine Hexerei zu fahren, wichtig ist, sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu halten (es wird oft und gerne gestraft) und wachsam bzw. vorausschauend zu fahren. Geht doch! Aber die nächste Etappe überlasse ich wieder anderen…

Jetzt gibt’s Höhenluft

Denn nun wird es richtig heikel: am Weg von Lushoto nach Mambo in den Usambara Bergen. Die Straße wird immer steiler und kurviger, das letzte Stück zur angepeilten Lodge ist eine große Herausforderung (außer man ist begeisterter Rallyefahrer). Die Landschaft ist vollkommen verändert: Hänge, dicht von unterschiedlichen Bäumen bewachsen, dazwischen und auf den Hochebenen, bedingt vom kühleren Klima, Farmland und terrassenartige Plantagen für Gemüse und Obst. Oben: ein berauschender Blick. In der Früh hängen die Wolken noch in den Bäumen, die Sonne blinzelt durch, aber dann eröffnet sich die Sicht auf Berge, weite Ebenen und Savanne, den Kalimawe See. Durchatmen! Auch wenn die Luft dünn ist.

Der Schmäh mit den Fotos

Mambo ist ein hübsches Dorf mit 5.000 Einwohnern, kleinen Häusern aus Holz, Lehmziegeln und Zement, gekalkt und mit traditionellen Motiven bemalt. Die Frauen und Mädchen sind am Vormittag unterwegs, um Wasser und Feuerholz nach Hause zu tragen – auf ihren Köpfen. „Sie sind verantwortlich für Haus und Garten, Felder, Küche und Kindererziehung“, erzählt Guide Joseph von dem herausfordernden Leben. Die Männer hingegen machen sich auf den Weg zu Farmen oder anderen Arbeitsstätten, „um Geld zu verdienen.“ Während die älteren Kinder zur Schule müssen, begrüßen uns die kleinen fröhlich auf der Straße. „Hallo, hallo! Pikcha!“, rufen sie. Wer glaubt, sie möchten sich wirklich fotografieren lassen, irrt. Sobald jemand die Kamera auf sie richtet, drehen sie sich weg und lachen sich kaputt. Gefällt mir!

Alle Farben der Welt

Joseph führt uns bei einem Dorfspaziergang zum Markt, der in bunten Farben strahlt: die Gewänder der Frauen, die am Boden sitzend oder an den Ständen farbenfrohes Gemüse und Obst, Zuckerrohr, Hühner, Eier, geräucherten Fisch, Gebackenes usw. verkaufen. Männer bieten Heilkräuter und wunderbringende Ingredienzien, Geschmiedetes und Geschnitztes an. Kleine Teestuben laden ebenso ein, wie Geschäfte mit prächtigen Stoffen. Viele Touristen gibt es hier noch nicht, manche von ihnen kommen auch wandernd – in mehreren Tagesetappen – hier herauf.

Mehr als helfen

Am Weg zurück zur Mambo Viewpoint EcoLodge, die auf 1.800 Metern liegt, wandern wir noch an den steilen Klippen vorbei und genießen den spektakulären Ausblick. Später das Ganze noch mit doppeltem Regenbogen, einem Adler in den Lüften und einem rosafarbenen Himmel… Einfach zauberhaft. Die EcoLodge wurde vor ca. zehn Jahren von dem niederländischen Ehepaar Marion Neidt und Herman Erdtsieck gebaut. Neben der Unterkunft sollten Arbeitsplätze und Bildungseinrichtungen geschaffen, die Gesundheitsvorsorge verbessert und Brunnen gebaut werden, erzählen sie.

Paradiesisch am Wasser

Nach dem fast magischen Aufenthalt in den Usambara Bergen führt die nächste Etappe in eine ganz andere Welt: an die Küste. Es geht Richtung Tanga und Pangani, mit der Fähre über den Pangani River, und nach – holpriger – Fahrt erreichen wir das Kijongo Bay Resort, eines von wenigen Hotels in der Gegend. Kaum angekommen, lassen alle die Schuhe stehen. Ab jetzt nur mehr barfuß (zumindest so lange der Sand noch nicht zu heiß ist).

Die Lodge ist ein kleines Paradies mit sieben Villen, Restaurant, vielen Palmen, menschenleerem Sandstrand, höchstens ein paar Frauen, die bei Ebbe Muscheln sammeln, engagierten jungen Mitarbeitern und ganz viel Ruhe. Wer möchte, kann eine Kajaktour machen, zum Schnorcheln aufbrechen oder eine Bootsfahrt durch das Mangrovengebiet genießen. Und noch einen farbenprächtigen Sonnenuntergang. Schon wieder!

Mit dem Auto? Ja, natürlich!

Nach zwei Nächten Paradies ist es schon wieder Zeit, Richtung Flughafen in Daressalam aufzubrechen. Aber nicht, ohne noch durch den Saadani National Park, der einzige in Ostafrika, der Küste mit Savanne verbindet, zu fahren. Die Tierwelt ist uns gnädig, einige Giraffen, Buschböcke, Warzenschweine etc. laufen uns noch mal vor die Linse. Selbstfahren zahlt sich aus: gute Vorbereitung (Route, Hotelreservierungen, genug Zeit einrechnen), achtsames Fahren (langsam, früh starten, nicht in der Nacht fahren) sowie ein wenig Mut und Abenteuerlust vorausgesetzt.

Informationen

Die Reise erfolgte auf Einladung von Akwaba Afrika. Der Veranstalter aus Leipzig bietet individuelle Reisen, Gruppen- und Selbstfahrerreisen sowie Fly-In-Reisen in Afrika in Tansania an. Der Fokus liegt auf kleinen Reisegruppen, authentischen Begegnungen und Nachhaltigkeit. Eine 16- tägige Selbstfahrerreise mit Flug ab Wien, Mietwagen, Übernachtungen etc.) z. B. für vier Personen im Oktober wird ab 3.150 EUR p.P. angeboten. www.akwaba-afrika.de

Nationalparks in Tansania: www.tanzaniaparks.go.tz

Radtouren Arusha NP: www.ahsantetours.com

Unterkünfte

Moshi: Mountain Inn (Taifa Road, Moshi, 1821); Kaliwa Lodge, www.kaliwalodge.com
Maore Camp im Mkomazi NP: mobiles Zeltcamp von „Authentic Tanzania“
Mambo: MamboViewpoint EcoLodge, www.mamboviewpoint.org
Pangani: Kijongo Bay Resort www.kijongobayresort.com

Flug Z. B. mit Air France/KLM über Paris oder Amsterdam nach Kilimanjaro Airport oder mit Qatar Airways über Doha nach Kilimanjaro Airport

Allgemeines

Impfungen und Gesundheit: keine Impfungen bei Einreise direkt aus Europa, Gelbfieber bei Einreise aus Endemiegebieten. Empfehlungen: Hepatitis A, Typhus, zusätzlich für Individualreisende Meningitis. Allgemeine Schutzmaßnahmen sowie medikamentöse Prophylaxe für Malaria.
Einreise: mindestens noch sechs Monate gültiger Reisepass, Visum bei Ankunft (50 USD, neue Dollarscheine)
Führerschein: Internationaler Führerschein notwendig (www.oeamtc.at)
Auskunft: Botschaft der Vereinigten Republik Tansania in Berlin, www.tanzania-gov.de; Tanzania Tourist Board in Daressalam, www.tanzaniatouristboard.com, Tanzania Chamber of Commerce & Industry in Daressalam, www.tccia.com

Erschienen in reisetipps Nr. 22, www.reisetipps.cc; Pdf: Reisetipps 22 19 2 Tansania Cr

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