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Kroatien: Fünf Städte, fünf Schätze

Hübsche Städte, kulturelle Stätten, Shopping, feine Speisen und dazu noch „ein paar“ Strände – die Küste Dalmatiens hat so einige Kostbarkeiten zu bieten. Bei einer kleinen Rundreise ab und bis Split lässt sich einiges davon entdecken. Und auch mit nach Hause nehmen.

Ob Wochenendtrip oder Sommerurlaub, Split, auf einer Halbinsel gelegen, ist die zweitgrößte Stadt Kroatiens und kann mit vielen schönen Geschäften und Lokalen, Promenade, Altstadt und Festivals auftrumpfen. Highlight der Stadt ist das UNESCO-Weltkulturerbe Diokletianpalast. Vom Palast aus, den der römische Kaiser um 300 n. Chr. direkt am Wasser erbauen ließ, entwickelte sich später die Stadt. Inzwischen wurde Land dazugewonnen, statt mit dem Boot bewegt man sich zu Fuß entlang der Stadtmauer, schlendert die Promenade entlang – mit Blick auf das Meer und den Hafen, immer in Reichweite von Restaurants, Eisdielen, Souvenir- und Getränkeständen. Diokletian ist v. a. als Verfolger der Christen bekannt, aber auch als guter Diplomat und als Begründer der Tetrarchie, mit der er die Macht an mehrere Personen aufteilte und sich so länger am Thron halten konnte.

Der Palast ist gerade aufgrund seiner Jahre, die er am Buckel hat, beeindruckend: riesige Keller mit mächtigen Gewölben, Säulenhof, Jupitertempel, die Kathedrale Sveti Duje mit Mausoleum und Glockenturm aus späteren Zeiten. Auf dem Platz im Inneren befinden sich heute Restaurants, Geschäfte und Wohnungen. Und täglich um 12 Uhr findet ein besonderes Schauspiel statt: die Wachablöse mit Auftritt von „Diokletian“ und seiner Gemahlin „Prisca“. Diokletian wird vom Volk bejubelt – das sind heute Chinesen, Österreicher, Italiener, Amerikaner, die mit einem Getränk in der Hand auf den Stufen sitzend die Darbietung verfolgen. Das Römer-Spektakel dauert nur wenige Minuten, aber sorgt für Stimmung.

Split lockt noch mit weiteren schönen Plätzen und Straßen, Modegeschäften und Lokalen. Reich an Angebot ist der Markt, der täglich Obst, Gemüse, Blumen, Käse, Fleisch, Honig, Trockenfrüchte, Kräuter u. v. m. feil hält und trotz Lidl & Co noch immer sehr beliebt ist. „Das gehört am Samstag zum Leben dazu, Kaffeetrinken an der Promenade, Einkaufen am Markt“, erklärt unsere Fremdenführerin. Im Sommer locken Festivals, Theater und Konzerte sowie der Strand direkt in der Stadt. Mit der Fähre ist man außerdem in 45 Minuten auf der Insel Brac.

Berühmter und verehrter Sohn der Stadt ist Ivan Meštrović, der heute noch – und schon vor sozialistischer Zeit – als „der“ Bildhauer Kroatiens gilt. Das Museum ihm zu Ehren und sein einstiges Wohnhaus steht in einem schönen Garten mit Blick auf das Meer, mit fast schlichter Fassade und ionischen Säulen. Innen ist die Villa aber hell und warm und bringt einige der Werke des Meisters, der eine Weile auch in Wien lebte und den französischen Bildhauer Auguste Rodin zu seinen Freunden zählen konnte, zum Strahlen. Begraben ist der 1962 verstorbene Künstler in einer Kapelle im Hinterland von Split.

Trogir: Von Winnetou bis Ecclestone

Auch die kleine Stadt Trogir, etwa 25km von Split entfernt, ist UNESCO-Weltkulturerbe. Die von einer Stadtmauer umgebene Altstadt, die nur 400 mal 800 Meter misst, ist eine Insel und durch zwei Brücken mit dem Festland verbunden. Unter den Venezianern blühte die Stadt einst richtig auf. Bauwerke wie die romanisch-gotische St. Laurentius-Kathedrale mit prächtigem Schmuck und Glockenturm, der im Übrigen eine wunderbare Aussicht auf Stadt und Hafen erlaubt, der Fürstenpalast, die Stadtloggia sowie Groß- und Kleinpalast Cipiko zeugen von reichen Zeiten.

Fans von Karl Mays Winnetou mögen die Stadt bzw. das Rathaus als „Santa Fé“ aus einer der Verfilmungen wieder erkennen. Die Festung Kamerlengo, die kleinen Gassen, Steinhäuser, Plätze, der Yachthafen und eine Unzahl von Eisdielen sowie der Grünmarkt, bei dem sogar Formel 1-Boss Bernie Ecclestone einkauft (oder einkaufen lässt), runden das formschöne Ensemble ab. Eine kulinarische Spezialität der Stadt sind übrigens Rafioli, Teigtascherln mit Walnussfülle – ideal zum Kaffee.

Šibenik: Ein Auf und Ab

Am Meer und an der Mündung des Flusses Krka liegt das Städtchen Šibenik, das zwar nicht zur Gänze UNESCO-geschützt ist, aber zumindest dessen Kathedrale des Hl. Jakob (sv. Jakova). Eine Besonderheit des Gotteshauses ist, dass das Dachgewölbe komplett aus Stein gebaut wurde, eine andere sind die 74 Kopfplastiken an der Außenwand. Der Bau der Kathedrale dauerte 105 Jahre – wobei hier die Pest, Brände, eine wechselhafte Geschichte und diverse andere Probleme die Arbeiten erschwerten. Weitere 23 Kirchen, Plätze, Klöster, etwa das des Heiligen Lorenz mit mediterranem Garten, und mehrere Festungen gehören zur Stadt dazu, ebenso die vielen Stufen und dunkelgrün gestrichenen Fensterläden und Türen der Häuser. Die St. Michaels Festung etwa erlaubt nicht nur einen tollen Ausblick über die roten Dächer der Stadt und den Hafen, sondern dient auch als Open air-Bühne für diverse Veranstaltungen.

Zadar: Der Sonne entgegen

Einen „Gruß an die Sonne“ – ganz ohne Yoga – schickt man in der Stadt Zadar. 300 Glaspaneele wurden am Hafen verlegt, die von Sonnenenergie gespeist werden und abends ein dramatisches Farbenspiel darbieten. Hunderte Menschen kommen täglich, um sowohl den Sonnenuntergang zu genießen, als auch auf den Glasflächen zu stehen, liegen, tanzen. Der Architekt und Projektverantwortliche Nikola Bašić hat auch die „Meeresorgel“ geschaffen. Die Installation aus 35 Röhren bzw. Pfeifen im Beton wird vom Meereswasser betrieben und erzeugt je nach Wind und Wellen verschieden laute Töne.

Das Ufer hat sich in den letzten Jahren zum neuen Treffpunkt der Stadt entwickelt. Die Stadt selbst bzw. das Zentrum befindet sich auf einer Halbinsel – mit dem Velebit Gebirge, dem längsten Gebirgszug Kroatiens, im Hintergrund. Viele Gebäude wurden im II. Weltkrieg und auch im Jugoslawien-Krieg zerstört oder beschädigt. Dennoch gibt es mit den Stadttoren, den verschiedenen Kirchen – etwa der Kirche Hl. Donatus aus dem 9. Jhdt. oder der Domkirche der Hl. Anastasia -, dem römischen Forum und den „Fünf Brunnen“ bedeutende historische Bauwerke zu besichtigen.

Im Mittelalter war Zadar eine sehr reiche Stadt. Aber bereits in der Römerzeit war es das Glasmekka schlechthin. Im Glasmuseum werden heute nicht nur kostbare, erstaunlich gut erhaltene filigrane und farbenreiche Glasrelikte präsentiert, auch dem einzigen Glasbläser Kroatiens kann man hier über die Schulter schauen. Beeindruckende Kunstwerke zeigt auch die Dauerausstellung „Gold und Silber von Zadar“ in der Kirche der Hl. Maria.

Zu empfehlen ist übrigens, sich hier mit Käse und Schinken einzudecken, etwa auf dem Markt oder in Spezialitätengeschäften; insbesondere mit dem aus Schafsmilch gewonnenen Paskisir von der vorgelagerten Insel Pag und dem Prosciutto Posedarski (aus Posedarje). Und auch der Kirschlikör Maraschino ist hier eine Spezialität.

Nin: Auf Salz gebaut

Salz bestimmt das Leben auf der Insel Nin, die 15km nördlich von Zadar nicht nur die kleinste Kathedrale der Welt (die Heilig-KreuzKirche), sondern auch den längsten Sandstrand Kroatiens für sich beanspruchen kann. Der Ort in einer Lagune hat eine lange, 3.000-jährige Geschichte, von der einige Ausgrabungen und Museen zeugen.

Im Grunde ist die Ansiedlung mit derzeit etwa 120 Einwohnern eine Art Museumsinsel, die meisten Menschen leben heute außerhalb bzw. in den fünf Dörfern, die zur Kommune gehören.

Die Lagune selbst ist ein Naturparadies mit 50km Sandstrand, über 70 verschiedenen Vogelarten, diversen Pflanzenformen sowie Heilschlamm, der bis Ende September für diverse Heilbehandlungen (Rheuma, Hautkrankheiten) verwendet wird. Ein wichtiger Geschäftszweig ist aber heute noch die Salzgewinnung. Im Salzmuseum erfährt man alles über Geschichte und Produktion und kann auch ein oder mehrere Säckchen Fleur de Sel erstehen. Auch hier noch ein Gourmettipp: Šokol, luftgetrockneter Schinken aus Nin (vom Schweinehals), zubereitet mit Pasta, Shrimps und Pilzen. Ein Gedicht!

INFORMATIONEN

Christiane Reitshammer war für das Magazin “tip” auf Einladung der Kroatischen Zentrale für Tourismus in Dalmatien unterwegs, www.croatia.hr

Croatian Airlines fliegt in Kooperation mit Austrian Airlines von Wien nach Split und Zadar (teils via Zagreb).

Hotels: Hotel Park Split, Solaris Beach Resort Šibenik, Hotel Kolovare Zadar

Restauranttipps

Konoba Varos in Split
Restaurant Monika in Trogir
Restaurant Tinel in Šibenik
Restaurant 2Ribara und Restaurant Kornat in Zadar
Sokol Restaurant & Apartments Tartaro in Nin

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