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Die Magie von Zanzibar

Da liegt sie also vor uns. Die romantische Insel, die Nelkeninsel, die Insel der Abenteuer aus Tausendundeiner Nacht… Zanzibar. Was für ein klingender Name. Der Himmel wolkenverhangen, es ist diesig, als wir das Schiff per Tenderboot in Richtung Insel verlassen. Auf dem Wasser kämpfen die Fischer in ihren Holzbooten, den Dhows, gegen die leichten Wellen. Von Weiten erkennen wir ein buntes Treiben am Fischerhafen.

(erschienen in tip, 2007)

Anm. 2018: die Royal Star gibt es seit 2012 nicht mehr; African Safari Club musste bereits 2011 Konkurs anmelden; dennoch hier die ursprüngliche Einleitung aus meinem Bericht….

Was wird uns erwarten? Niki, Kreuzfahrtchef auf der MS Royal Star, hat uns „gewarnt“: „Werfen Sie Ihre Vorstellungen in einem Packerl über Bord und machen Sie Ihre eigenen, neuen Erfahrungen wie die Insel, wirklich ist…“ Es ist Tag 2 unserer Reise. Denn zuvor geht es per Nachtflug mit African Safari Airways von Wien via Basel nach Mombasa, nach ein paar Stunden Erholung im Hotel Flamingo Beach in Kenya dann an Bord der MS Royal Star , wo wir erstmal eine Notfallübung durchmachen und eine kurze Einführung von Nikolaus R. Nikolaus, Kreuzfahrtchef, Salzburger, Entertainer und Troubleshooter erhalten. Das 4*-Schiff, „noch ein richtiges Schiff“, wie uns Nikolaus einbläut, ist 20 Jahre alt, „ein Oldtimer und gut gepflegt“ im Programm von African Safari Club und für 230 Gäste geeignet. Es dauert nicht lange, bis wir die Vorteile an Bord erkennen: alles sehr persönlich, die Wege kurz, elegantes Flair, aber gemütlich. Um 17 Uhr sticht sie dann in See, auf in den Sonnenuntergang und in Richtung Süden bis Zanzibar. Am nächsten Morgen dann der große Augenblick und der erste Landgang…

Was wir von Zanzibar erfahren

Eroberungen und Einflüsse verschiedenster Völker und Mächte – Ägypter, Bantu, Araber, Inder, Chinesen, Portugiesen, Holländer und Briten – hinterließen ihre Spuren auf der Inselgruppe vor der ostafrikanischen Küste, die heute Teil des Unionstaates Tansania ist. Vor allem Händler und Abenteurer suchten die Insel auf. Im 17. bis 19. Jahrhundert war Zanzibar unter der Herrschaft des Sultans von Oman Zentrum des Sklavenhandels und wichtige Handelsmetropole – Stichwort Gewürznelken! 1890 wurde das immer kleiner werdende Sultanat Zanzibar dem britischen Kolonialreich einverleibt. 1963 erlangten Zanzibar und Pemba die Unabhängigkeit. Nach kurzer Übergangszeit als „Volksrepublik“ vereinigte sich Zanzibar noch 1964 mit dem Festlandstaat Tanganjika zu einem neuen Staat Tansania.

 

Was wir erleben…

Wir durchqueren also das Hafengelände, den Dhow- und Fährhafen, wo aufgeregtes Getümmel herrscht, zwischen Warten und Handeln; auch weiter dann am Markt spielt sich das Leben ab. Es wird gefeilscht, geschrieen, getratscht, Obst und Gemüse, Gewürze, Fleisch, Fisch verbreiten farbenprächtig Gerüche und Gestank. In der „Old Stone Town“, wo heute etwa 150.000 Menschen leben, drängen sich mehrstöckige Steinhäuser dicht aneinander, viele mit verschnörkelten Fenstergittern und Simsen, teilweise schon stark in Mitleidenschaft genommen, aber immer noch Zeugen der einstigen reichen Handelsstadt. Die schweren, üppig geschnitzten Holztüren geben Hinweise auf Herkunft oder Beruf früherer Besitzer.

Entlang der Häuser ziehen sich Steinbänke, auf denen sich die Bewohner, Männer, Frauen, Kinder, teilweise verhüllt – der Großteil der Bevölkerung ist moslemisch – und/oder in bunten Gewändern im Schatten niederlassen. Die engen Gassen helfen, eine allzu starke Sonneneinstrahlung zu vermeiden, die verwinkelten Gassen, die Orientierung – zumindest als Ortsfremder – leicht mal zu verlieren. Kleine Geschäfte bieten hier Souvenirs – Batik, Holzschnitzereien u.v.m. an.

 

An der Stätte des alten Sklavenmarktes zeigt sich der grausame Teil der Geschichte des Landes. Im Keller die „Zwischenlagerräume“, gerade mal mannshoch, kann man sich ein Bild machen, auf welche Weise die Gefangenen oft Wochen auf ihre Weiterfahrt ausharren mussten. Gleich daneben befindet sich die anglikanische Kirche, daher auch die vielen Menschen, die festlich aufgeputzt, in diese Richtung strömen. In der Nähe des Meeresufers steht das „House of Wonders“, der 1883 erbaute Palast trumpfte damals als erstes Gebäude in Ostafrika mit Elektrizität, Aufzug und Pool auf. Auch der ehemalige Sultanspalast gewährt Einblick in die Geschichte und Geschäfte: dass Kaiser Franz Joseph und seine Sisi auf Gemälden abgebildet sind, wundert einen dabei schon gar nicht mehr. Die restaurierte “Alte Apotheke” aus dem 17. Jahrhundert, neben dem „Livingstone-House“, beherbergt heute ein Kulturzentrum.

Wie in 1001 Nacht

1001 Nacht Feeling übermannt einen bei der Besichtigung von Palästen, die zu Hotels umgebaut wurden, wie etwa das Haus „236 Hurumzi“, das früher unter dem Namen „Emerson & Green Hotel“ bekannt war. Antike Möbel, Luster, schwere Vorhänge, Mosaike, Schnitzereien, kräftige Farben, kleine Terrassen machen das Flair aus. Ganz oben lädt eine Dachterrasse mit Blick auf Blechdächer, Kirchtürme, Minarette, Hindu-Tempel, Fort, auf Meer und Hafen ein, sich auf Teppichen und Polstern niederzulassen und z. B. einen Gewürztee zu trinken.

Ein paar Kilometer am Meer entlang befinden sich die Ruinen eines Sultanspalastes aus dem 19. Jhdt., die das deutsche Ehepaar Rose und Fritz Geuen zur Hakuna Matata Beach Lodge umfunktionierten. Die neuen Bungalows fügen sich sanft in das Gelände ein. Der Strand, ein Pool, ein romantischer Garten und nicht zuletzt ein tolles Restaurant direkt am Meer mit frischestem Fisch verlocken wahrlich, noch länger zu bleiben.

Nelken, Vanille, Muskat….

Auf einer Gewürzfarm erleben wir schließlich, woher der Name Nelkeninsel kommt. Wir werden durch das dschungelartige Gelände geführt, der Guide pflückt Früchte und Blätter von den Sträuchern und Bäumen. „Erkennen Sie es? Wonach riecht es?“ So schlecht sind wir dabei gar nicht, nach mehreren Geruchstests versagt jedoch der degenerierte Geruchssinn. Zitrone? Vanille? Muskat? So schief kann man nicht liegen, alles ist hier versammelt wie am gut sortierten Marktstand.

Nochmals zurück in der Stadt, es geht dem Sonnenuntergang zu, das Leben wird zunehmend lauter, unruhiger, die Menschen sind erwartungsvoll nach einem langen Fastentag im Ramadan. Und ist das wirklich Zanzibar? „Ich weiß nicht, sind wir in Afrika, im Orient oder in Indien?“, fragt sich ein Reisekollege. Romantisch verklärt sehen wir die Insel nicht, aber die Magie lässt sich nicht bestreiten.

 

Am nächsten Tag erkunden wir die Gegend mit einer Dhow. Blue Sea Safari nennt sich der Ausflug, den die Royal Star neben weiteren Programmen anbietet. Mangroven und eine tropische Unterwasserwelt mit Korallen, bunten Fischen, Seesternen, riesigen Muscheln, schneeweißen Sand, knalltürkisblaues Wasser erleben wir beim Schnorcheln. Und ja, auch die „versprochenen“ Delphine werden gesichtet. Nach dem Verzehr von Fisch und Hummer schlagen wir uns den Bauch mit all den Früchten, die die Inseln hergeben, voll. Vieles kennt man ja, ein Hoch auf die Globalisierung, aber es schmeckt irgendwie anders… nach Frucht.

Mit Cafe und Amarilla Likör beschließen wir das Mahl und begeben uns wieder auf Bootsfahrt, diesmal mit Segel und einer sanften Brise. Was für eine Leichtigkeit, was für ein Freiheitsgefühl!

Die Grüne Insel

Wer jetzt noch nicht entspannt ist, dem wird geholfen. Denn am darauf folgenden Tag geht es auf die – unbewohnte – Insel Mesali, die „Grüne Insel“ im Indischen Ozean. Während viele Schiffsgäste am Unterhaltungsprogramm teilnehmen oder sich auf den Holzliegen in der Sonne aalen, verteilen sich die anderen im Schatten der Palmen und Sträucher und genießen die Ruhe, das Rauschen des Meeres, das glasklare Wasser auf feinem Sand. Nur ein paar Meter hinausgeschwommen und es eröffnet sich die Korallenwelt wie der Eingang zu einem Aquarium. Den Abend verbringen wir nochmals relaxed an Bord, Sonnenuntergang und Sundowner inklusive; es geht zurück Richtung Mombasa. Die Stunden scheinen hier länger zu dauern, sind wir wirklich erst vier Tage unterwegs?

Abschluss und Aufbruch in Kenya

Und das Programm ist längst nicht vorbei. Während der Großteil der glücklichen Gäste nun zumindest eine Woche noch in einem Hotel zum Erholen und Baden in Kenya verbringt oder für ein paar Tage auf Safari geht, erledigen wir das an zwei Tagen. Nachdem der erste Tag an Land – der Gang ist noch wackelig – zum Ausruhen am Strand und bei einem unterhaltsamen Abendessen verbracht wird, geht es am nächsten Tag früh raus und mit dem Flieger zum Kilimanjaro-Kimana Game Sanctuary Naturschutzgebiet. Ein ganzer Tag ist dem Abenteuer Natur gewidmet, auf der Pirsch, zu Fuß und mit dem Unimog, sichten wir Unmengen an Zebras, Giraffen, Gazellen, auch Elefanten und Büffel… Auch wenn Safari-Veteranen dem Ranger zu verstehen geben, man müsse nicht mehr bei jeder Giraffe stehen bleiben – so sind sie doch zu schön, um einfach an ihnen vorbei zu fahren. Schon am Abend müssen wir zurück ins Hotel, geschafft, aber glücklich, mit all den überwältigenden Eindrücken, die wir schließlich auch auf die Reise nach Österreich mitnehmen. Fotos hier:  http://www.textkitchen.at/kenya-safari-mit-blick-auf-den-kilimanjaro/

 

Info zur Royal Star: Ein trauriges Ende – hier nachzulesen auf cruisetricks: https://www.cruisetricks.de/royal-star-trauriges-ende-eines-kreuzfahrtschiff-klassikers/

 

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